Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa

von | Aug 9, 2017 |

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche ist eine autokephale Kirche im Rang eines Patriarchates. Sie bildet zusammen mit den anderen orthodoxen Schwesterkirchen die Familie der Orthodoxie, die in einer vollkommenen Gemeinschaft lebt. Das bedeutet, daß die orthodoxen Kirchen denselben Glauben bekennen, dieselbe kirchliche Disziplin respektieren und dieselbe Liturgie feiern. In der Art und Weise, wie das Evangelium von verschiedenen Kirchen erlebt und durch unterschiedliche Kulturen ausgedrückt wird, besteht auch das Spezifikum jeder orthodoxen Kirche. Nach diesem Aspekt ist eine orthodoxe Kirche griechisch, russisch, serbisch oder rumänisch. Die orthodoxen Kirchen aus Südosteuropa haben das Volk durch seine Geschichte begleitet, betreut und sehr oft einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der ethnischen Identität und nationalen Einheit geleistet.

Aus der Geschichte der Heimatkirche

Historische Berichte wie auch archäologische, linguistische und historisch-logische Beweise weisen sehr früh die Verbreitung des Christentums auf dem heutigen Territorium Rumäniens nach. Der Kirchenhistoriker Eusebius von Caesarea (+330) weiß von Origenes (+254), daß der hl. Apostel Andreas bei den Skythen das Evangelium verkündigte (Hist. Eccl. III,1, PG 12,91-92). Dasselbe erfahren wir auch aus dem Sinaxarion ecclesiae Constantinopolitanae, und Tertullian, ein bekannter Apologet (+240), schrieb, daß in seiner Zeit das Christentum unter den Sarmaten, Daken, Germanen und Skythen verbreitet wurde (Adv. Iud. 7, PL 2,650A). Aus der Kirchengeschichte erfahren wir, daß die Kirchen aus Scythia Minor (die heutige Dobroudscha) und nördlich der Donau die ganze Zeit über mit der universalen Kirche in Gemeinschaft standen. Ebenso zählt die Kirchengeschichte unter den Teilnehmern bei den ökumenischen Konzilien von Nicaea (325), Konstantinopel (381), Ephesus (431), Chalcedon (451) oder bei den Lokalsynoden Bischöfe aus Scythia Minor und behält die Beziehungen der Kirche dieser Gegend mit Konstantinopel in Erinnerung. Die Kirche aus Scythia Minor zählte am Anfang des 6. Jhs. neben Tomis (heutiges Constanta) 14 andere Bischofsstühle und war die Heimat einiger bekannter Theologen wie Johannes Cassian (+431), Dionysius Exiguus (der Kleine +545) oder der sogenannten „skythischen Mönche“ (Leontius, Johannes Maxentius und Petrus Diaconus aus dem 6. Jh.).

Mit den historischen und archäologischen Quellen ist die Kontinuität der dako-romanischen und dann rumänischen Bevölkerung nördlich der Donau nachzuweisen. Dasselbe gilt für die Existenz eines organisierten christlichen Lebens auf dem Territorium Rumäniens im frühen Mittelalter. Das christliche Leben bildete also das Umfeld für die Entstehung des rumänischen Volkes. Das berechtigt die Rumänen als Nachfolger der Dako-Römer zu behaupten, daß sie in der Geschichte als Christinnen und Christen erscheinen und deshalb nicht wie die benachbarten Völker ein festes Jahr als Christianisierungsdatum haben.

Nach der Gründung der zwei außerkarpatischen rumänischen Fürstentümer wurde die alte vorhandene kirchliche Struktur der beiden Länder im Rang einer Metropolie vom Ökumenischen Patriarchat anerkannt (Muntenien-Walachei 1359, Moldau 1401). Die Bildung der rumänischen Metropolien in den Donaufürstentümern erscheint als Folge der Gründung der zwei rumänischen Staaten. Obwohl der erste Erzbischof Transsilvaniens (Siebenbürgen) uns erst 1377 bekannt wird, sind die Spuren einer kirchlichen Struktur in dieser alten und mehrheitlich von Rumänen bevölkerten Provinz viel älter. In Transsilvanien wurde das Leben der orthodoxen Rumänen durch den Kampf gegen den reformierten und katholischen Proselytismus geprägt. Die Annahme der Reform wurde von reformierten Fürsten Siebenbürgens im 17. Jh. unterstützt, und die Annäherung an Rom stand unter dem Einfluß von Jesuitenpatres. Unter diesen Umständen und unter dem Druck des Wiener Hofes hat ein Teil der Rumänen aus Transsilvanien die Union mit Rom angenommen (1698-1701).

Am Anfang war die Sprache des Kultus die gängige Sprache des Volkes, d. h. das Volkslatein, das im östlichen Teil des römischen Reiches gesprochen wurde. Das läßt sich beweisen durch die Grundbegriffe des christlichen Glaubens in der rumänischen Sprache, die alle einen lateinischen Ursprung haben. Das bedeutet: als die Slawen kamen, war die Christianisierung der Rumänen schon beendet. Die slawische Sprache setzte sich im 10. Jh. als Kultussprache durch, blieb für das Volk aber unverständlich. Deshalb wird mit Sicherheit angenommen, daß für die Predigt, die Katechese und die Beichte weiterhin die Sprache des Volkes benutzt wurde. Der Diakon Coresi engagierte sich sehr bewußt durch die Übersetzung und den Druck von Kultusbüchern (1560-1581, Brasov-Kronstadt) für die Wiedereinführung der rumänischen Sprache in den Gottesdiensten: „damit die rumänischen Priester verstehen“. Die Einführung der rumänischen Sprache in die Liturgie wird im 17. Jh. mit der Veröffentlichung der Homiliensammlung (Cazanie 1643), des Neuen Testaments (1648), der Psalmen (1673), des Liturgiebuches (1679 u. 1683) und der vollständigen Bibel (1688) fortgesetzt.

Nach der Vereinigung der rumänischen Länder (Moldau und Walachei 1859) und der Unabhängigkeitserklärung (1877/8) erhält die orthodoxe Kirche Rumäniens vom Ökumenischen Patriarchat die Anerkennung der Autokephalie (1885) und erlangt 1925 nach der Vereinigung Transsilvaniens und Bessarabiens (1918) den Status eines Patriarchats mit Sitz in Bukarest. Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche hat sich für die Ökumene engagiert und ist seit 1961 (Neu Delhi) Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Sie gehört auch der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) an. Mit ihren 19,8 Mio. Mitgliedern (86,7% der Bevölkerung) gilt die Rumänisch-Orthodoxe Kirche als zweitgrößte orthodoxe Kirche der Welt.

Aus der Geschichte der rumänischen Diaspora

In Deutschland ist die geistliche rumänische Anwesenheit für einige Jahrzehnte mit den rumänischen Handelsleuten aus Leipzig verbunden. Für sie bestand zwischen 1858 und 1881 eine rumänische Kapelle. Im Westen Deutschlands baute der rumänische Fürst Michael Stourdza 1864-1866 eine rumänische Kirche in Baden-Baden. Zu den Gottesdiensten kamen die Rumänen (Intellektuelle und Studenten) aus Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg, Straßburg. Die Kirche stand seit 1882 nach dem Wunsch des Stifters unter der Jurisdiktion der Metropolie von Moldau. Heute noch steht die Kapelle aus Baden-Baden unter der Jurisdiktion derselben Metropolie und erhält Besuch von pilgernden Rumänen aus der Umgebung und auch aus ganz Deutschland.

1940 organisierten sich die Rumänen aus Berlin in einer Gemeinde und feierten ihre Gottesdienste in einem Raum, der schnell zu klein für ihren Zweck wurde. 1943 kauft die rumänische Regierung die evangelische Kirche in der Jerusalemstraße und läßt sie nach der orthodoxen liturgischen Tradition einrichten. Nebenan befanden sich das Pfarramt, die Wohnung für den Pfarrer und einige Säle, die als Museum dienten. Die Existenz dieser Kirche war von kurzer Dauer, denn März 1945 wurden sie, das Pfarrhaus und die benachbarten Gebäude infolge eines Luftangriffs sehr stark beschädigt. Nach dem Krieg haben die Stadträte die beschädigten Gebäude abgerissen und auf dem ehemaligen Grundstück der Kirche ein völlig neues Stadtviertel entstehen lassen.

Die Zahl der Rumänen in Deutschland nahm nach dem 2. Weltkrieg sehr stark zu. Mitte der 70er Jahre haben sich unter der Jurisdiktion der Rumänisch-Orthodoxen Kirche die Gemeinden in Offenbach, Hamburg, München, Salzgitter und Anfang der 80er Jahre die Gemeinde in Nürnberg herausgebildet.

Die Rumänisch-Orthodoxe Metropolie

Die Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa zeichnet die normale Entwicklung der bereits existierenden kirchlichen Strukturen in West- und Zentraleuropa nach. 1949 gründete Metropolit Visarion Puiu in Paris ein rumänisch-orthodoxes Bistum für die in Westeuropa lebenden Rumänen. Der Nachfolger von Metropolit Puiu, Bischof Teofil Ionescu, kehrte auf eigenen Wunsch 1972 unter die Jurisdiktion der Rumänisch-Orthodoxen Kirche zurück. Er wurde Mitglied der Hl. Synode und vertrat die Diözese aus Westeuropa in diesem Gremium. Alle rumänisch-orthodoxen Gemeinden aus West- und Zentraleuropa gehörten diesem Bistum mit Sitz in Paris an. 1974 wurde das Bistum in den Rang eines Erzbistums erhoben.

Nach der Wende in Osteuropa verlieh die Hl. Synode der Rumänisch-Orthodoxen Kirche (1994) der Ostseite des Erzbistums von Paris den Rang einer Metropolie mit dem Titel Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa. Zur Metropolie gehören die rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinden aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Dänemark, Schweden und Norwegen. In Deutschland zählt die Metropolie ca. 300.000 Rumänen, die zur Zeit in 21 Gemeinden mit 19 Priestern und 1 Diakon organisiert sind. Der Vorsteher der Metropolie hat seinen Sitz in Nürnberg.

Die rumänisch-orthodoxen Kirchengemeinden sind Mitglieder in den regionalen oder lokalen ACKs. Die Gemeinde „Geburt des Herrn“ in München ist seit 1982 Mitglied der AcK in Bayern. Wir sind überzeugt, durch die ökumenische Tätigkeit unserer Metropolie in Deutschland einen Beitrag zum besseren Verständnis unter den Christinnen und Christen leisten zu können. Die Metropolie beteiligt sich durch Metropolit Serafim und Pfarrer Dr. Mircea Basarab auch am theologischen Dialog der Rumänisch-Orthodoxen Kirche mit der EKD.

aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern. Die Mitgliedskirchen stellen sich vor
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Kontakt zur Rumänisch-orthodoxen Kirche

Rumänisch-Orthodoxe Metropolie für Deutschland und Zentraleuropa
Metropolit Dr. Serafim Joanta
Fürther Str. 166-168
90429 Nürnberg
Tel.: 0911/3236910, Fax: 0911/3236912
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