Koptisch-orthodoxe Kirche

von | Aug 10, 2017 |

Koptisch bedeutet nichts anderes als ägyptisch, und daher sind die alten Ägypter die Stammväter der Kopten. Die Ägypter wurden von dem Evangelisten Markus missioniert. Die erste theologische Hochschule der Christenheit, in welcher das Alte Testament ins Griechische übersetzt wurde, wurde in Alexandria gegründet. In der berühmten Bibliothek, die mehr als 300000 Schriften beherbergte, wurden Manuskripte des Alten und des Neuen Testaments aus dem Jahr 120 gefunden. Kirchenväter wie Pantainos, Klemens, Origines, Dionasius (14. Patriarch von Alexandria) und Didemus der Blinde lebten in Alexandria. Didemus entdeckte die Blindenschrift Jahrhunderte vor Braille und war Direktor der Theologischen Hochschule zur Zeit von Athanasius, dem 20. Patriarchen von Alexandria. Athanasius ist bekannt durch seinen Kampf gegen Arius. Beim ersten ökumenischen Konzil in Nizäa 325 war er als Diakon maßgeblich an der Formulierung des Glaubensbekenntnis beteiligt. Er mußte viel für seinen Glauben leiden und wurde viermal aus seinem Patriarchen-Stuhl in Alexandria verbannt. Unter anderen wurde er im Jahr 336 nach Trier verbannt. Dadurch gewann er viele Freunde in der lateinischen Kirche. Ein Kirchenhistoriker schrieb: „Es hat eine Zeit gegeben, in der die christliche Welt beinahe arianisch geworden wäre, wenn der Mut von Athanasius nicht gewesen wäre.“ Im Buch „2000 Jahre Christentum und europäische Kultur“ von Erwin Möde heißt es: „Athanasius von Alexandria war es, der in seinem 39. Osterbrief von 367 zum ersten Male die heutigen 27 Bücher des Neuen Testaments als allein kanonisch erklärt hat.“ Er starb als Patriarch von Alexandria 373 und hinterließ viele Schriften. Unter anderem das Buch, „Vita Antonii“ über den ersten Mönch des Christentums, Antonius, der im Jahr 251 in Oberägypten geboren und mit 105 Jahre in seinem Kloster 356 am Roten Meer gestorben ist.

Der Gründer des ersten christlichen Klosters der Welt war der Hl. Pachom. Er stammte aus Oberägypten und verfaßte die ersten Klosterregeln in koptischer Sprache. Sie wurden bald ins Griechische und dann von Hieronymus ins Lateinische übersetzt. In den 144 Regeln war das gesamte Leben der Mönche in allen Einzelheiten beschrieben. Von Ägypten breitete sich das Klosterwesen auf den Sinai, nach Palästina und Syrien und von dort in weitere Provinzen des römischen Reiches aus und erreichte über Basilius den Großen (330-379) schließlich Benedikt. Viele Christen aus Ost und West besuchten die Mönche in der Wüste und schrieben viele Bücher.

Der Entwicklung des christlichen Glaubens war auch das dritte ökumenische Konzil in Ephesus 431 gewidmet. Bei diesem Konzil, das von Kyrill, dem 24. Patriarchen von Alexandria, geleitet wurde, verurteilte man den Nestorianismus. Weil Nestorius ein Erzbischof von Konstantinopel war und viele Anhänger hatte, entstand die erste Spaltung im christlichen Glauben. Kyrill schrieb 433 einen Brief an die Antiochener, der die Spannung zwischen Antiochia und Alexandria abbaute. Die Nestorianer haben sich trotzdem in Irak und Iran nach 436 ausgebreitet.

Eine zweite Spaltung entstand nach dem vierten ökumenischen Konzil in Chalcedon 451, bei dem den Kopten Monophysitismus vorgeworfen wurde. Dieses Mißverständnis wurde erst 1520 Jahre später, und zwar in September 1971, im Rahmen eines koptisch-katholischen Dialogs von Pro Oriente beseitigt. Leiter der koptischen Delegation bei diesem Dialog war unser derzeitiger Papst Schenouda III.

Die koptische Kirche im 20. Jh. erreichte einen Höhepunkt 1960 durch die Weihe des 116. Nachfolgers auf dem Markus-Stuhl, Papst Kyrill VI. Er unterstützte die Öffnung der Kirche zur Welt und aktivierte die Arbeit in der Ökumene. 1962 weihte er zwei Bischöfe, Anba Samuel und Anba Schenouda, welche die koptische Kirche in vielen ausländischen Aktivitäten vertreten haben. Heute untersteht die Kirche dem Papst und Patriarchen Schenouda III. Mit seiner Wahl in November 1971 hat die Kirche einen energischen und willensstarken Führer erhalten, der einerseits tief in den asketischen Traditionen der Kirche verwurzelt ist, der sich andererseits aber auch durch intellektuelle, rhetorische und administrative Fähigkeiten auszeichnet. Zwei Jahre nach seiner Wahl wurde im Mai 1973 die gemeinsame christologische Erklärung von Papst Paul VI. und dem koptischen Papst Schenouda III. vereinbart. Auch das Schisma zwischen den altorientalischen Kirchen und den orthodoxen Kirchen wurde durch die Aussage von 1989 „Zwei Familien der orthodoxen Kirche“ überwunden.

Unter den orientalisch-orthodoxen Kirchen in Ägypten, Äthiopien, Armenien, Eritrea, Indien und Syrien existiert volle Kirchengemeinschaft. Mit dem Beistand des Heiligen Geistes werden die laufenden Dialoge zwischen der christlichen Konfessionen zu einer Kirche Christi in Vielfalt führen.

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zu Gast bei der katholischen Gemeinde St. Loreto Kirche
Josephsburgstr. 24
81673 München
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