Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland

von | Aug 9, 2017 |

Orthodoxie bedeutet etymologisch „richtiger Glaube“ und richtiger Lobpreis Gottes. Als „orthodoxe Kirchen“ bezeichnet man jene Kirchen, die sich in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches bildeten und seit dem Jahre 1054 in einer Spaltung mit den westlichen christlichen Kirchen leben. Man spricht von der einen orthodoxen Kirche und gleichzeitig von mehreren orthodoxen Kirchen. Sowohl die Selbständigkeit jeder lokalen Kirche an sich (Autokephalie) als auch die Einheit aller Kirchen ist zu unterstreichen.

Das Prinzip der Autokephalie, das ein Grundelement der Verfassung der orthodoxen Kirche ist, hat die weitere Entwicklung der Verwaltungsformen der orthodoxen Kirche bestimmt. Es bedeutet, daß jede autokephale Kirche verwaltungsgemäß selbständig und von keiner anderen Kirche abhängig ist. Hingegen äußert sich die Einheit aller orthodoxen lokalen Kirchen in folgenden drei fundamentalen Punkten: a) gemeinsamer Glaube, b) gleiche Liturgie,
c) identisches Kirchenrecht.

Der orthodoxe Glaube drückt sich sowohl in den Glaubensaussagen, so wie sie in den sieben großen ökumenischen und anderen lokalen Konzilien und patristischen Schriften formuliert wurden, als auch in der liturgischen Praxis der Kirche aus. Der orthodoxe „Gottesdienst“ oder besser gesagt die orthodoxe „Liturgie“ ist das Zentrum, der Mittelpunkt der ganzen Orthodoxie. Die orthodoxe Liturgie bringt das Heilsgeschehen in seiner ganzen Tiefe und Breite zum Ausdruck. Die Eucharistie, d. h. die Danksagung der Geschöpfe an den Schöpfer, und das Empfangen des lebenspendenden Leibes und Blutes Jesu Christi gelten in der gesamten orthodoxen Überlieferung als der wichtigste Höhepunkt innerhalb des orthodoxen Lebens schlechthin. Von der einzelnen unbekannten Gemeinde bis zu den berühmten Klöstern und den großen Patriarchalkirchen wird auf die gleiche Weise die gleiche Liturgie gefeiert.

Die zahlreichen – dem Datum nach – „beweglichen und unbeweglichen“ kirchlichen Feste, die strengen Fastenzeiten als geistliche Vorbereitung, die Sakramente der Kirche wie auch die verschiedenen Gottesdienste des liturgischen Tageskreises tragen dazu bei, daß das Leben der Christinnen und Christen durch ihre Teilnahme am kirchlichen Leben an Bedeutung gewinnt. Alles, was sie in der Bibel lesen und woran sie als Lehre der Kirche glauben, bleibt für sie trockene Theorie, solange sie es nicht im Gottesdienst der Gemeinde erleben. Das Ziel, welches durch die Sakramente zu erreichen ist, heißt für die orthodoxe Theologie „Vergöttlichung des Menschen“, „Teilhabe an dem Leib Christi und an der Gnade Gottes“ und letzten Endes „Rettung der menschlichen Seele“.

Die Lesungen aus der Bibel, die Predigt, die Gesänge, die Gebete etc. dienen der geistigen Vorbereitung auf den Höhepunkt der Liturgie: die Kommunion. Deshalb wird die Eucharistie dem orthodoxen Verständnis nach so hoch in der Theologie angesetzt.

Den Mittelpunkt des orthodoxen Gottesdienstes bildet das Geheimnis der Gemeinschaft mit dem transzendenten Gott, das Mysterium. Dies äußert sich in allem: a) in der Architektur des orthodoxen Gotteshauses und der konkreten Richtlinien folgenden Wandmalerei, wie z. B. die der Kuppel mit dem Bild Christi als Allherrscher als Symbol der himmlischen Gegenwart bei der Liturgie; b) in den Ikonen von Christus, der allheiligen Gottesmutter Maria und der Heiligen; c) im Gesang; d) in den liturgischen Tüchern und Geräten, die das einmalige Opfer Christi vergegenwärtigen.

Die Orthodoxie ist sich ihrer Identität und Eigenart bewußt. Sie verkennt die traurige Tatsache der bestehenden Trennung nicht, ebensowenig relativiert sie die bestehenden Grenzen und Unterschiede, sie leidet daran und betet für ihre Überwindung.

Unter dem Begriff „griechisch-orthodoxe Kirche“ sollte man eigentlich die 1850 entstandene „Orthodoxe Kirche von Griechenland“ mit Sitz in Athen verstehen. Der Terminus „griechisch-orthodox“, geschichtlich gesehen, bezieht sich aber auch auf alle alten Patriarchate von Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien und Jerusalem und die Kirche Zyperns. Es geht um diejenigen orthodoxen Kirchen, die im Geist der griechischen Sprache und Kultur hervorgegangen sind. Nach kanonischem Recht gehören alle griechisch-orthodoxen Bürgerinnen und Bürger, die der orthodoxen Kirche angehören und im Ausland leben, direkt dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel an.

Die Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland und Exarchat von Zentraleuropa arbeitet mit den anderen im deutschen Raum vertretenen christlichen Kirchen auf ökumenischer Ebene zusammen: a) in der multilateralen innerdeutschen Ökumene und b) in der bilateralen Ökumene, vor allem durch vielfältige Kontakte und entsprechende Kommissionen, so z. B. mit der EKD oder mit der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Die Griechisch-orthodoxe Metropolie in Deutschland betreut die ihr angehörenden rund 400.000 griechischstämmigen Gläubigen durch 5 Bischöfe und ca. 65 weitere Geistliche in 55 Pfarrgemeinden in ganz Deutschland.

aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern. Die Mitgliedskirchen stellen sich vor
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