Armenische apostolische Kirche

von | Aug 10, 2017 |

„Die Armenische Apostolische Kirche hat eine Vergangenheit, selbst aber ist sie nicht vergangen“ – diese Worte des armenischen Kirchenoberhauptes, Katholikos Karekin I., treffen sicher auch auf andere Kirchen zu. Vor dem geschichtlichen Hintergrund der Armenischen Apostolischen Kirche jedoch drücken sie in gedrängter Form deren Lebensgefühl und Selbstwahrnehmung aus. Folgende Merkmale kennzeichnen das Selbstverständnis der Armenischen Apostolischen Kirche: Lehre, Tradition, Nation, Integration.

Lehre: Die Armenische Apostolische Kirche erkennt nur die ersten drei ökumenischen Konzilien von Nicaea, Konstantinopel und Ephesus an. Die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon sind dagegen unverbindlich. Die Armenische Apostolische Kirche bekennt sich zur Lehre der „einen fleischgewordenen Natur des Logos“ und der „einen vereinigten Natur“, verwirft aber den Monophysitismus. Sie zählt sieben Sakramente, wobei die Firmung unmittelbar nach der Taufe erteilt wird. In der Verfassung der Kirche spielen die Laien eine große Rolle: So wählen sie zusammen mit den Bischöfen das Kirchenoberhaupt, den „Höchsten Patriarchen und Katholikos Aller Armenier“.

Tradition: Nicht von ungefähr taucht in der Selbstbezeichnung der Armenischen Apostolischen Kirche das Adjektiv „apostolisch“ auf. Das Wirken und das Martyrium der Apostel Thaddäus und Bartholomäus in Armenien sowie die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion im Jahre 301 – ebenfalls gemäß einer alten Überlieferung – bilden die zwei grundlegenden Angelpunkte dieses Traditionsbewußtseins. Die Vergangenheit ist stets gegenwärtig.

Nation: Die Geschichte der Armenischen Apostolischen Kirche ist zutiefst mit der Geschichte des armenischen Volkes verflochten – die eine ist ohne die andere nicht zu verstehen. Diese Wechselbeziehung betrifft nicht nur die politische Landschaft, sondern erstreckt sich auch auf soziale, kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften. Nicht von ungefähr wurde das armenische Alphabet von einem Mönch namens Mesrop Maschdotz im 5. Jh. erfunden, der somit die schriftliche Kultur des Landes begründete. Die Geistlichen nahmen öfters aber auch staatliche bzw. politische Funktionen wahr: So vertrat die Rechte der Armenier während des Berliner Kongresses im Jahre 1878 kein Politiker, sondern der damalige Katholikos Chrimian Hairik. Auch heute noch setzt sich diese Tendenz fort – vor allem in der weltweiten Diaspora.

Integration: Die Armenische Apostolische Kirche übt eine integrative Funktion aus. Zeitlich oder vertikal überbrückt sie viele geschichtliche Brüche und Umbrüche Armeniens; sie bewahrt traditionelle Werte jenseits politischer und sozialer Umwälzungen. Daher auch die Meinung, sie erhalte das genuin Armenische über Jahrhunderte hinweg unversehrt aufrecht. Räumlich oder horizontal garantiert die Armenische Apostolische Kirche die Einheit und Identität aller Armenier auf der ganzen Welt. Nahezu die Hälfte der Armenier lebt außerhalb Armeniens, verstreut auf allen Kontinenten. Sie passen sich zwar den Gegebenheiten der jeweiligen Länder an, die Armenische Apostolische Kirche aber versteht sich als eine Instanz, die trotz dieser unterschiedlichen Färbungen nationale Einheit über alle Grenzen hinweg stiftet. Das Motto „Einheit in Verschiedenheit“ scheint also auch binnenperspektivisch ein Grundmodell für die Armenische Apostolische Kirche und ihre weltweiten Diözesen zu sein.

Inwiefern aber die wiedergewonnene staatliche Souveränität Armeniens die Rolle der Armenischen Apostolischen Kirche ändern wird, bleibt abzuwarten.

aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern. Die Mitgliedskirchen stellen sich vor
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Kontakt zur armenischen apostolischen Kirche

Pfarrer Aygik Hovhannisyan

Fleischmannplatz 3

90419 Nürnberg

Tel: 0176/70712989

fr.ajgik@gmail.com