Anglikanische Episkopalkirche

von | Aug 9, 2017 |

Die Anglikanische Episkopalkirche ist eine der 31 selbstverwalteten Einzelkirchen, aus denen die weltweite anglikanische Kirchengemeinschaft (Anglican Communion) besteht. Diese Kirchen (mit rund 500 Diözesen in 164 Ländern) stehen miteinander in ständiger Verbindung; Brennpunkt ihrer Zusammengehörigkeit ist der Erzbischof von Canterbury. Mit über 70 Mio. Angehörigen bilden sie nach der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen die drittgrößte christliche Glaubensgemeinschaft. Die Bezeichnung anglikanisch/anglican ist von dem lateinischen anglicanus = englisch abgeleitet.

Geschichte

Nahezu zeitgleich mit Luthers deutscher Bibelübersetzung wurden von englischen Christen die hebräischen und griechischen Texte in die Volkssprache übertragen. William Tyndale (ca. 1494-1536) prägte mit dem zuerst in Köln und Worms gedruckten Neuen Testament (1525 und spätere Revisionen) die englische Sprache weit über die Bibel hinaus bis heute. Vor dem Abschluß der Übersetzung des Alten Testaments wurde er 1536 als „Häretiker“ hingerichtet.

Auch die – vor allem staatspolitische – Trennung von Rom unter König Heinrich VIII. (1534) war ungeachtet aller insularen Besonderheiten eng mit der Situation im deutschsprachigen Mitteleuropa verbunden. Hatte der König noch 1521 vom Papst für eine Streitschrift gegen Luther den Ehrentitel „Verteidiger des Glaubens“ (Fidei Defensor ) erhalten, den alle Monarchen bis heute fortführen, so setzte er das 1539 mit den Sechs Artikeln (Six Articles) um, die kirchenpolitisch gegen den Papst den traditionellen katholischen Glauben wiederherstellen wollten. Theologisch Wesentliches geschah erst unter Heinrichs Nachfolger Edward VI. (1547-53), der Liturgie und Lehre veränderte. Dabei entwickelten sich rege Kontakte zu Reformatoren auf dem Kontinent. Nachhaltig einflußreich wurde vor allem der Reformator Martin Bucer (1491-1551), der Thomas Cranmer bei der Gestaltung des „Book of Common Prayer“ (BCP) beriet.

Die von König Jakob I. geförderte und genehmigte Bibelübersetzung der „Authorized Version“ (‚King James Bible‘) nahm ab 1611 eine überragende Stellung in der gottesdienstlichen und privaten Glaubenspraxis ein. Die Kirche von England konnte sich als die wahre katholische und zugleich wahre reformierte Kirche des Landes verstehen und blieb dabei vorerst auf England und Wales begrenzt. Die Entwicklung zur weltweiten Gemeinschaft begann erst unter Königin Elisabeth I. (1558-1603). Und obwohl noch heute englisch die weltweit verbindende Gottesdienstsprache ist, gibt es mittlerweile z.B. auch anderssprachige Fassungen des BCP und anderer Gottesdienstordnungen.

Organisation

Die „Mutterkirche“ der Anglikanischen Gemeinschaft umfaßt das geographisch-politische Gebiet Englands. Zur Provinz von Canterbury gehören außerdem außerhalb Englands die „Diözese von Gibraltar in Europa“, die für alle auf dem europäischen Kontinent lebenden Mitglieder der Kirche von England zuständig ist, sofern sie nicht dem Militär angehören, sowie die Isle of Man und die Kanalinseln. Auf kontinentaleuropäischem Boden gibt es, von Canterbury völlig unabhängig, ferner acht Gemeinden der Convocation of American Churches in Europe (ein Zusammenschluß amerikanischer Kirchen in Europa), die der Jurisdiktion der Episcopal Church of the United States of America angehören, zu der auch die Münchener und zwei weitere bayerische Gemeinden zählen, sowie je eine selbständige Kirche der anglikanischen Gemeinschaft in Spanien und Portugal.

Lehre

Der Anglikanismus versteht sich als zugleich katholisch und reformiert. Eine spezifisch anglikanische Kirchenlehre gibt es nicht: Das besondere am Anglikanismus gegenüber anderen christlichen Kirchen liegt vielmehr in der Verbindung biblischer Autorität mit den Glaubensbekenntnissen (Apostolicum, Nicaenum) und den Lehren der ersten vier ökumenischen Konzile einerseits, sowie den reformatorisch geprägten Formen der Liturgie und dem Verständnis des geistlichen Amtes im BCP, im Ordinale und in den Neununddreißig Artikeln (Thirty-Nine Articles) andererseits. Ferner bietet die vierteilige Formel von Lambeth (Lambeth Quadrilateral) von 1888 eine Aussage über die anglikanischen Minimalvoraussetzungen für die christliche Einheit; sie sagt einleitend über die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments, daß sie „alle Dinge enthalten, die zum Heil notwendig sind“. Es folgen dann die Glaubensbekenntnisse als Ausdruck der Glaubenswahrheit, weiter die beiden von Christus selbst eingesetzten Sakramente (Taufe und Abendmahl; wobei die fünf „kleineren“ Sakramente Konfirmation, Ordination, Ehe, Salbung und Beichte hier nicht genannt werden, aber durchaus anerkannt bleiben) sowie am Ende der historische Episkopat in apostolischer Sukzession mit dem einen Amt in dreifacher Gestalt (Diakon, Priester, Bischof). Traditionell war dabei das geistliche Amt Männern vorbehalten; Frauen ist in manchen anglikanischen Kirchen aber schon seit einiger Zeit neben dem Diakonat auch die Priesterweihe zugänglich, teilweise sogar die Bischofsweihe.

Liturgie und Gottesdienst

Jede Gliedkirche der anglikanischen Gemeinschaft hat ihre eigene Liturgie; ein wichtiger Ausgangspunkt ist das BCP von 1662. Die Rolle des BCP wurde in der Kirche von England im Gottesdienst – nicht jedoch als Quelle der Lehre und einer der drei „historischen Formularien“ – zunehmend vom Alternative Service Book von 1980 übernommen.

Neben den zunehmend beliebter werdenden Abendmahlsgottesdiensten (Holy Communion, auch Eucharist genannt) stehen von alters her der Frühgottesdienst (Morning Prayer) und der Abendgottesdienst (Evening Prayer oder Evensong). Zu bestimmten Festen und Anlässen gibt es weitere, eigene Gottesdienstformen. Die Kirchenmusik nimmt dabei eine besondere Stellung ein; dafür bürgt die intensive Pflege des musikalischen Reichtums der gesamtchristlichen Tradition noch in der kleinsten Gemeinde.

Ökumene

Aufgrund ihres Selbstverständnisses als zugleich katholisch und reformiert sieht sich die anglikanische Gemeinschaft in einer privilegierten ökumenischen Position. So werden intensiv ökumenische Dialoge geführt und dokumentiert. Für das anglikanisch/römisch-katholische Gespräch ist dies in den Veröffentlichungen der Anglikanisch/Römisch-Katholischen Internationalen Kommission seit 1970 geschehen. Im Verhältnis mit den nachreformatorischen Kirchen sind die gemeinsamen Dokumente mit der EKD (Meißener Gemeinsame Feststellung, 1988) sowie den lutherischen nordischen und baltischen Kirchen (Porvooer Gemeinsame Feststellung, 1993) als Zeichen weitgehender und fortschreitender Annäherung hervorzuheben. Am engsten ist die Verbindung zu den Alt-Katholiken, mit denen seit 1932 volle kirchliche Gemeinschaft besteht.

aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern. Die Mitgliedskirchen stellen sich vor – © 2000 Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern

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