Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche

von | Aug 10, 2017 |

Äthiopien soll seine Hände ausstrecken zu Gott. (Psalm 68,31)

(Tewahedo bedeutet „Einheit“ (arab.) und bezieht sich auf die enge Verbindung der menschlichen und göttlichen Gestalt Jesu.)

Geschichte: Der erste Hinweis auf einen Kontakt Äthiopiens mit dem Christentum enthält die Apostelgeschichte (Apg 2,28-40): der Kämmerer der äthiopischen Königin reist zum jüdischen Wallfahrtsfest nach Jerusalem, er begegnet Philippus und lässt sich taufen. Historisch gesicherte Nachrichten finden sich bei Rufin von Aquilieia, der von zwei Brüdern aus Tyros berichtet, die den christlichen Glauben an den Hof des Reiches Aksum brachten. Einer von ihnen wurde um 325 von Athanasios zum Bischof von Äthiopien geweiht. Damit war die Tradition begründet, dass die Nachfolger des Patriarchen von Alexandria einen koptischen Metropoliten für Äthiopien ernannten. Erst 1959 wurde die äthiopische Kirche unabhängig.

Seit dem Übertritt von König Ezana zum Christentum im 4. Jahrhundert waren Christentum und Hof eng verbunden. Nach der christlichen Zagwe-Dynastie im 12. Jahrhundert prägte die sog. „salomonische“ Dynastie ab dem 13. Jahrhundert das Selbstverständnis Äthiopiens und seiner Kirche. Durch eine wechselhafte Geschichte hindurch widerstanden die äthiopischen Christen Eroberungsversuchen des Islam ebenso wie den Bemühungen der Jesuiten im Gefolge der Portugiesen, die angenommen hatten, Kaiser und Hof seien zur Annahme des katholischen Glaubens bereit. Die äthiopische orthodoxe Kirche entwickelte sich unabhängig von anderen orientalischen Kirchen. Der letzte äthiopische Kaiser Heilä Selasse setzte sich während seiner Regentschaft 1930-1974 für eine aktive Mitwirkung in der Ökumene ein, um die Kirche aus der Isolation zu führen.

Lehre und gottesdienstliches Leben: Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche gehört zur Familie der Orientalisch-Orthodoxen Kirchen und teilt im Wesentlichen deren Glaubensgrundlagen. Aufgrund ihrer isolierten geografischen Lage wurden zahlreiche religiöse und kulturelle Eigenheiten wie etwa Anklänge an das Judentum bewahrt. Auf den Altären steht jeweils eine Nachbildung der Bundeslade, der Tabot, der heiligste Gegenstand in einer äthiopischen orthodoxen Kirche.

Das Kirchenjahr ist von sieben Fastenzeiten und neun großen sowie neun kleineren Festtagen bestimmt, die Ereignisse im Leben Christi feiern. Die äthiopisch orthodoxe Kirche kennt zwei Typen des Gottesdienstes: innerhalb und außerhalb des Allerheiligsten. Gottesdienstliche Sprache ist Geez, die alte Sprache Äthiopiens.

Eine große Rolle spielt die monastische Tradition mit zahlreichen Männer- und Frauenklöstern. Nur Mönche können Bischöfe werden. Die Klöster bilden bis heute Zentren der Gelehrsamkeit und der Tradition, die um die Feier der Heiligen Liturgie und die Weitergabe des Evangeliums kreisen.

Organisation und Statistik: Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist die größte der orientalischen Kirchen. Mit gut 30 Mio Mitgliedern in Äthiopien und weiteren ca. 10 Mio in aller Welt ist sie zudem die einzige altorientalische Kirche, deren Mehrheit im eigenen Land lebt.

Zwischen 328 und 1974 war die Kirche Staatskirche. Die politische Entwicklung brachte es mit sich, dass nach 1974 die enge Verklammerung von Kirche und Staat gelockert wurde. Die Trennung von Staat und Kirche wurde aber erst 1994 vollzogen. Die kirchliche Verwaltung ist in Addis Abeba angesiedelt. Das Oberhaupt der Kirche war bis zu seinem Tod im August 2012 Abbune Paulos. Außerhalb Äthiopiens gibt es acht Bischöfe. Die äthiopische orthodoxe Kirche in Deutschland gehört zur Diözese von Nordwesteuropa. In Deutschland gibt es derzeit neun Gemeinden, davon zwei in Bayern (München und Nürnberg mit zusammen etwa 3000 Gemeindegliedern).

Kontakt zur Äthiopisch-orthodoxen Kirche

Äthiopisch-Orthodoxe Kirche
Erzpriester Dr. Merawi Tebege
Ückeratherstr. 2
50739 Köln
Tel./Fax: 0221-5992623
aeokd@gmx.de
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