Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
In den 1529 Kirchengemeinden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKiB) finden die 2,7 Mio. Gemeindemitglieder reiche Möglichkeiten der Mitwirkung und Teilnahme. Schwerpunkte dabei sind das gottesdienstliche Leben, die Beschäftigung mit der Bibel sowie verschiedenste Aktivitäten im diakonischen, seelsorgerlichen und sozial-politischen Bereich.
Theologisch weiß sich die ELKiB der Reformation Wittenberger Prägung (Martin Luther, Philipp Melanchthon u.a.) verpflichtet. Obwohl am Anfang des 19. Jhs. viele unabhängige protestantische Gebiete mit unterschiedlichem reformatorischen Erbe zu einer einzigen evangelischen Kirche in Bayern zusammengeschlossen wurden, ist sie heute in Liturgie und Lehre weitestgehend lutherisch geprägt.
Zentraler Inhalt der Verkündigung ist: Gott schenkt in seiner Gnade Heil durch den Glauben an Christus, wie ihn die Schrift bezeugt. Alle kirchliche Arbeit dient dazu, diesen Glauben zu wecken, zu fördern und zu bewahren. Der Reformation verpflichtet zu sein, beinhaltet aber nicht nur Traditionswahrung, sondern auch die ständige Herausforderung, auf die Veränderungen der Zeit angemessen zu reagieren. So sind die Fragestellungen, Nöte und Erfahrungen der Mitglieder in der Arbeit der ELKiB präsent. Dies zeigt sich in der ständigen Auseinandersetzung mit den Fragen der Zeit und der zeitgenössischen Begleitung der Glaubens- und Lebensfragen.
Feiernde Kirche
Die Suche nach einer Balance zwischen Tradition und modernen Bedürfnissen findet in gottesdienstlichen Feiern ihren Ausdruck. Nach wie vor bilden die sonntäglichen Gottesdienste das Zentrum des gemeindlichen Lebens. Hier wird sowohl in liturgisch geprägter wie in freien Formen das Evangelium in Wort und Sakrament kommuniziert und in der Gemeinschaft erfahren.
Lehrende Kirche
Eine Herausforderung stellt es in einer pluralistischen Gesellschaft dar, die unaufgebbare Glaubenssubstanz weiter zu vermitteln, wie sie in den altkirchlichen Bekenntnissen und den lutherischen Bekenntnisschriften des 16. Jhs. festgehalten ist. Die ELKiB versucht, die Inhalte des Evangeliums Menschen in den verschiedensten Altersstufen und Lebenssituationen zeitgemäß zu vermitteln.
Seelsorgerliche Kirche
Angesichts der vielen schweren seelischen Nöte sind neben die Beichte vielfältige Formen spezialisierter Seelsorge getreten. So gibt es ein breitgefächertes Angebot von seelsorgerlicher Begleitung in den verschiedensten Krisensituationen und Lebenslagen. Dabei treten neben die persönlichen Begegnungen auch immer stärker anonyme Beratungen über Telefon und Internet.
Dienende Kirche
Weit über den Bereich der eigenen Kirche hinaus geht die diakonische Arbeit der ELKiB. Neben den klassischen Tätigkeitsfeldern der Betreuung von kranken und behinderten Menschen hat sich ein dichtes Netz von Beratungsstellen (z. B. für werdende Mütter, Familien, Suchtkranke, Asylsuchende, Erwerbslose) entwickelt, das ein wesentlicher Bestandteil des "sozialen Netzes" in Bayern geworden ist. Dabei beschäftigen die im Diakonischen Werk Bayerns zusammengeschlossenen Einrichtungen mehr als 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um helfend tätig zu sein.
Als einen besonderen Schatz sieht die ELKiB, daß in ihr knapp 19.000 Menschen haupt- und nebenamtlich und 125.000 ehrenamtlich ihren Dienst tun. Zu den haupt- und nebenamtlich Tätigen gehören Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Diakoninnen und Diakone, Erzieherinnen und Erzieher, Pädagoginnen und Pädagogen, Musikerinnen und Musiker, die das Angebot der Gemeinden gestalten. Finanziert wird die hauptamtliche Arbeit überwiegend aus den Einnahmen durch die Kirchensteuer. Die Landeskirche hat einen Haushalt in Höhe von 1,2 Milliarden DM (1997). Der größte Teil wird dafür verwendet, daß Verkündigung und Seelsorge gewährleistet sind und die Menschen in den verschiedensten Glaubens- und Lebenssituationen Hilfe und Beistand erfahren.
aus: Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern. Die Mitgliedskirchen stellen sich vor- © 2000 Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Bayern